Bericht der Segelflugsaison



Segelflugsaison 2008

Am Ende stand die Welle 01a.jpg

Während der Wintermonate 2007/2008 wurde unter anderem das Interieur unseres Schulungsdoppelsitzer ASK 21 neu gestaltet. Der Innenraum erhielt einen neuen Anstrich und die Sitzbezüge wurden komplett durch Neuanfertigungen ersetzt. Die Arbeiten dauerten an und am Wochenende vor der Karwoche mussten noch kleine Restarbeiten ausgeführt werden, damit dem traditionellen Windenlager auf dem Quirnheimer Berg nichts mehr im Wege stand. Björn und ich suchten dann, wie üblich alle Einzelteile zusammen, die erforderlich waren, damit unsere ASK nach Grünstadt überführt werden konnte. Es war Björn, der mit großen Augen vor unserem Startbus fast erstarrte, als er feststellte, dass wir trotz aller Liebe zum Detail bei der Renovierung der ASK doch glatt die Sitzschalen völlig vergessen hatten. Ein echter Hingucker stand da in Quirnheim bereit zum Start - eine dezent blaugrau gestrichene Innenverkleidung, kombiniert mit zwei k….braunen Sitzschalen.
Das sollte aber kein Hindernis darstellen und am 17.03.2008 erhob sich unsere 21 erstmalig in der Saison 2008 in den Himmel. Die diesmal eher klein ausgefallene Gruppe um Ludwig Pfeiffer und Reimar Möller schaffte es trotzdem innerhalb von 4 Tagen, 65 Windenstarts zu machen. Ich sehe die Saisoneröffnungen in Quirnheim als eine günstige Alternative, um unseren Trainingsstand nach der „Winterpause“ durch Starts und Landungen auf ein gutes Level zu bringen. Nebenbei ist es immer ein Gemeinschaftserlebnis mit einem hohen Spaßfaktor. Nutzt die Gelegenheit!

Der geplante Saisonbeginn in Lachen-Speyerdorf an Ostern fiel dann sprichwörtlich ins Wasser und wir konnten erst mit einer Woche Verzögerung die ersten Überprüfungsstarts und Schulflüge durchführen. Ab dem 28.03.2008 wurde es wieder sonniger und unsere Streckenflugaspiranten um Sigmund Wunder konnten an einem von 4 Trainingstagen der Streckenflugwoche wenigstens eine Übungsdistanz von 170 km erfliegen. Leichter Hochdruckeinfluss auf der Rückseite einer Kaltfront bescherte uns an den Folgetagen einen traumhaften Cumulushimmel mit Basishöhen bis zu 1700 Metern. Die Saison 2008 hatte begonnen.
Der April verlief dann durchwachsen, echtes Aprilwetter eben. Trotzdem nutzten Marc Schick und Frank Schwerdtfeger die Basishöhen von 1700 bis 2000 m an zwei Wochenenden zu Trainingsflügen für ihre bevorstehenden Wettbewerbe. Sigmund Wunder und Marc Schick zog es dann Ende April in die Schwäbische Alb, wo sie am Hahnweidewettbewerb 2008 teilnahmen. Marc und Sigmund erlebten bei diesem Wettbewerb so einiges.

Marc musste aufgrund eines Gewitters vor der Hahnweide eine Sicherheitslandung durchführen, da es ihn förmlich von der Alb herunterspülte. Bei einem Ringelpiez krachte er mit dem Seitenruder des Ventus gegen einen Weidezaun, wobei ein leichter Schaden entstand. Glück im Unglück war jedoch die Tatsache, dass das Werk von Schempp-Hirth gleich um die Ecke in Kirchheim / Teck ist. Das Seidenruder wurde einfach gegen ein Ersatzruder getauscht. Während Marc mit einem Ersatzteil flog, wurde das Originalruder der DR in aller Ruhe und Sorgfalt repariert. Marc qualifizierte sich mit Platz 9 für die Deutsche Meisterschaft der 15-m-Klasse 2009 in Aalen.02a.jpg

Sigmund landete mit unserer ASW 27 „AH“ auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz, der heute durch einen privaten Sicherheitsdienst bewacht wird. Die netten Herren der Security boten dem Team „AH“ freundlichst eine Lotsung über das Gelände an, die man auch gerne in Anspruch nahm. Hunger und Durst waren es wohl, die den Wunsch aufkommen ließen, schnellstmöglich dem Truppenübungsplatz den Rücken zu zeigen, also kam das Angebot gerade richtig.
Nach einer, doch recht lang ausgefallen Rundfahrt, rollte das Gespann dann endlich durch das ersehnte Tor und man hatte den Sicherheitsbereich verlassen. Dankbar winkend fuhr die Mannschaft in Richtung Gasthaus.Zurück in der schönen Pfalz erhielt Sigmund dann die Quittung: Der nette Sicherheitsservice kostete über hundert Euro. Dies war der Preis für einen 18. Gesamtplatz und damit eine Nachrückoption für die DM in Aalen.
Anfang Mai geschah dann das Unvorhersehbare. Günther Kaul hatte, in einer Top-Secret-Aktion, seine Segelfluglehrberechtigung erworben. Ich bin sicher, dass kein Geheimdienst dieser Welt davon wusste. Seither unterstützt er uns tatkräftig und ideenreich bei der Ausbildung unserer Schüler.
Leider etwas unglücklich landete Frank Schwertfeger im Mai nach 7 Wertungstagen in Hockenheim auf dem 10. Platz und verpasste dadurch ganz knapp die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft der 18-m-Klasse in Mengen. Im Juni erhielt er dann ein kleines Trostpflaster. Die lang erwartete LS 10 (O9) war endlich fertig und fand ihre Heimat in Lachen-Speyerdorf. Frank nutzte die Thermik Ende Juni und Anfang Juli gleich für zwei 500 km Flüge. Am 05. Juli flog er bis zum Thüringer Wald und wieder zurück. Das Fluglager 2008 litt unter der Tatsache, dass unmittelbar danach ein Wettbewerb zu organisieren war. So kam es, dass während des Lagers kaum Fluglehrer zur Verfügung standen, die die Koordination des Flugbetriebes in der Hand hatten. Mit tatkräftiger Unterstützung der Fluglehrer des FSV Kaiserslautern waren dann doch einige Schulstarts möglich.
Ab dem 20. Juli war unser Flugplatz dann fest in der Hand der Frauen. Die Deutsche Meisterschaft der Frauen im Segelflug hatte begonnen. Der Schirmherr, Neustadts Oberbürgermeister Löffler, eröffnete den Wettbewerb im Innenhof des Rathauses. Auch der Ortsvorsteher von Lachen-Speyerdorf, Jürgen Brunner, begrüßte die Damen und versprach in seiner Rede, die Siegerin und Titelträgerin „Deutsche Meisterin im Segelflug“ in Sekt aufzuwiegen.
Was er zu diesem Zeitpunkt nicht wusste, war die Tatsache, dass der Titel in 3 Klassen ausgeflogen wurde. Nach kleinen Anlaufschwierigkeiten entwickelte sich die Veranstaltung zu einem gelungenen Wettfliegen, wobei sich die Tagesaufgaben von Tag zu Tag steigerten. Die Entscheidungen erfolgten tatsächlich erst am letzten Wertungstag, so dass echte Spannung in der Luft lag.
Am Ende waren es Cornelia Schaich (Standardklasse), Christine Grote (Clubklasse) und Anja Kohlrausch (15-m-Klasse), die auf einer extra angelieferten Industriewaage in Sekt aufgewogen wurden. Herzlichen Glückwunsch! Vielen Dank an dieser Stelle an alle Helferinnen und Helfer, die den Wettbewerb und seine gastliche Atmosphäre erst ermöglichten. 03a.jpg
Im Anschluss an die Sommerferien und den Wettbewerb erfolgten weitere Fortschritte in der Ausbildung unserer Segelflugschüler.Eric Lehmann, Jens Jäger, Andreas Hüttl und Adrian Schall absolvierten erfolgreich ihre ersten Alleinflüge.Adrians erster Alleinflug ist mit Flugnummer 26 in seinem Flugbuch zu finden. Eine anerkennenswerte Leistung!
Dieser Erfolg ist aber auch einem besonderen Engagement von Stefan Krämer und Günther Kaul zu verdanken. Sie organisierten federführend ein Windenfluglager auf unserem Platz in der zweiten Oktoberwoche.Hierfür wurde eigens die Winde unserer Grünstadter Freunde nach Neustadt überführt. Vielen Dank Björn! Insgesamt wurden 101 Windenstarts durchgeführt. Auch eine Möglichkeit, die Saison zu beenden.

Zwei Schwingen erflogen sich Eric Lehmann und Jens Jäger. Die abschließende C-Prüfung wurde von HaPe Hefner, Holger Gerholdt, Anton Polster und Eric Lehmann erfolgreich abgelegt. Am 20. und 21.12. stand gleich 2 Tage lang eine Bilderbuchwelle am Himmel über Neustadt. Björn Wagner, Kalle Enderle und Klaus Klein nutzten die Fönlücke für unvergessliche Jahresabschlussflüge.
Bis auf den kleinen Schaden am Ventus verliefen 2008 alle Flüge unfallfrei.
Die Statistik zeigt aber im Vergleich zum Vorjahr, dass wir 300 Starts und 150 Stunden weniger geflogen sind. Ich kann nur hoffen, dass es sich hier nicht um einen Trend handelt und erkläre mir die Zahlen mit dem „fehlenden“ Fluglager und dem eher bescheidenen Wetter. In diesem Sinne wünsche ich uns für 2009 gute Wetterlagen, die uns erlebnisreiche, unvergesslich schöne, aber auch unfallfreie Flüge bescheren werden.


Dierk Wagner