Pfälzer im bayrischen Aufwind



 

Der Flugsportverein Neustadt an der Weinstraße zu Gast beim Segelflugsportverein Cham

Freunde trifft man gerne immer wieder, und wenn es so nette Fliegerkameraden wie in Cham sind, dann fährt man auch fast an die tschechische Grenze, um in die Luft zu kommen. Der Segelflugplatz Cham/ Janahof liegt im malerischen Osten Bayerns. Zum mittlerweile dritten Mal packten wir sechs Vereinsflugzeuge sowie Kind und Kegel ein und machten uns auf den Weg in die Oberpfalz. Gleich in der ersten Woche bot uns das Wetter die Möglichkeit, den ein oder anderen längeren Thermikflug durchzuführen. Die Segelflugschüler kamen auch nicht zu kurz und nutzten die Chance, ihre Windenberechtigung zu erlangen. a3.jpg
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Wenn die Aufwinde ausblieben, fuhren wir nach Regensburg oder Tschechien und machten eine Kanufahrt auf dem Regen.

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Für Abkühlung sorgte unser kleiner Swimmingpool, den die meisten freiwillig, manche aber auch unfreiwillig betraten. Obwohl der Wettergott auf diese Weise seine Opfer bekam, gab es auch schlechtes Wetter, weshalb einige Schlafplätze vom Zelt in die Werkstatt verlagert wurden.  Gründe zum Feiern und Anstoßen gab es trotzdem genügend. Zwei Geburtstage fielen in das Fluglager, Außenlandungen und verfrühtes Aufsetzen kamen auch vor, und die Chamer wurden in der Mitte des Fluglagers zum Bergfest mit Pfälzer Saumagen, Leberknödel und Wein eingeladen. Insgesamt können wir also auf einen schönen Urlaub zurückblicken, sodass wir uns schon auf das Fluglager der Chamer in Lachen-Speyerdorf im Sommer 2010 freuen können.

Deutsche Segelflugmeisterschaft der Frauen




Aus zehn Bundesländern waren sie nach Lachen-Speyerdorf angereist, die 46 Teilnehmerinnen der deutschen Segelflugmeisterschaften der Frauen, die auf dem Flugplatz Lilienthal ausgetragen wurden. Der Flugsportverein Neustadt/Wstr. e.V. richtete damit seine erste Deutsche Meisterschaft aus und sah sich einer großen Herausforderung gegenüber, die mit viel Motivation angegangen wurde. Im prominent besetzten Teilnehmerfeld waren zahlreiche Mitglieder der Frauen-Nationalmannschaft, so unter anderem die letzte deutsche Meisterin und Vizeweltmeisterin Katrin Wötzel und die ehemalige Vizeweltmeisterin der 15-m Klasse Anja Kohlrausch.

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Die Pilotinnen wurden beim Festakt im Neustadter Rathaus von Oberbürgermeister Hans Georg Löffler mit einem trockenen Riesling und einem „Zum Wohl die Pfalz“ begrüßt. Ortsvorsteher Jürgen Brunner versprach gar die drei Siegerinnen in Pfälzer Sekt aufzuwiegen.
Mit dieser Motivation beflügelt sah man dem ersten Wertungstag entgegen. Der Montag machte allerdings erstmal einen Strich durch die Rechnung und nach einer Verschlechterung des Wetters musste Sportleiter Bernd Dörnemann schweren Herzens neutralisieren.
Die Bedingungen waren auch am Dienstag noch nicht optimal, dennoch gingen alle Klassen in die Luft. Aufgrund des durchwachsenen Wetters gab es jedoch viele Außenlandungen. Vor allem in Bad Dürkheim und Linkenheim kam es zu regelrechten Massenlandungen von bis zu sechs Maschinen. Susanne Schödel holte sich mit ihrem Ventus 2a in der 15m Klasse den Tagessieg. Außer ihr erreichte nur Sue Kussbach das Flugplatzgelände.IMG_9533.jpg
Wolkenloser Himmel und gute Wetteraussichten ermöglichten mittwochs einen frühen Start, so dass um 12:30 Uhr das gesamte Feld von 46 Flugzeugen in der Luft war. Für die Rennklasse war eine Rennstrecke von 350,89 km über Worms-Orscholz und Bruchsal ausgeschrieben, die das Dreierteam Susanne Schödel, Anja Kohlrausch und Annette Klossok souverän meisterten und sich so die ersten drei Plätze der FAI 15m Klasse sicherten. In der Clubklasse holte sich Sabrina Vogt den Tagessieg und die Nürtingerin Cornelia Schaich in der Standardklasse. Vereinsmeteorologe Karlheinz Enderle gab auch am Donnerstag den Wettbewerbsraum nur Richtung Westen frei. Die Aussichten waren jedoch so gut, dass die 15m Klasse eine Racing Task von 369, 3 km bekam und die Standardklasse eine 350km Aufgabe Richtung Orscholz. Sabrina Vogt erreichte mir einem 93 Schnitt mit ihrer Standard Libelle den Tagessieg der Clubklasse, während Kussbach und Annette Klossok sich den Sieg in den anderen Klassen sicherten. Das Wetter verwöhnte uns nicht und die Wettbewerbsleitung war freitags erneut vor der kniffligen Aufgabe eine bestmögliche Aufgabe auszuschreiben. Die Wettersituation gestaltete sich zunehmend schwieriger und zwischen einzelnen Abschirmungen kam nun eine Störung aus dem Westen hinzu. Trotz beengtem Zeitfenster ging es los und auch wenn es kleinere Probleme mit dem Fahrwerk gab und ohne gelandet werden musste, waren gegen 18:00Uhr wieder alle da. Christine Grote und Katrin Wötzel perfektionierten ihren Teamflug mittlerweile so, dass sie sich Punktegleich den ersten Platz teilten. Das bedeutete vier rote Rosen für die glücklichen Tagessiegerinnen!
Von Samstag bis Sonntag waren vor allem Ausflüge ins Schwimmbad angesagt. Umliegende Gewitter und Abschirmungen beeinflussten das Wettbewerbsgebiet so stark, dass an beiden Tagen gar nicht geflogen werden konnte. Sonntags erschwerten zusätzlich diverse Papierstaus das Ausdrucken der Aufgaben, die aber souverän von Pilotinnensprecherin Sue Kussbach gemeistert wurden. In Tschechien herrschte wohl Traumwetter, während es auf dem Platz immer schwüler wurde. Nachdem das Schnupperteam im DuoDiscus keine verwertbare Thermik auf Kurs meldete veranstalteten die Mädels einen spontanen Freudentanz…bei diesen Temperaturen war bis zum Gewitter nur noch Pool angesagt!
Die Hoffnung auf einen fünften Wertungstag erfüllte sich montags nachdem in der Rheinebene erste Steigwerte von 1,5 m erreicht wurden. Ein kleiner Wehrmutstropfen war die Basis von 800 m die jedoch schnell anstieg. In 51 Minuten schafften es die sechs Schleppmaschinen das gesamte Feld in die Luft zu bekommen. Bei dieser Wetterlage mit Gewittertendenz war mal wieder erhöhte Beobachtung und viel Taktik gefragt. Glück für den einen und Pech für den anderen. Manch eine saß nur drei Kilometer vor dem Platz während Ingrid Mayer und Chris Desiree Henninger optimal flogen und sich so einen Doppelsieg in der 15m Klasse teilten.
Eine „kleine Nachmittagsaufgabe“ könne es geben, so die ersten Informationen beim dienstags Briefing nachdem die Flugzeuge noch im Hänger verweilen sollten. Dann das Signal von Meteorologen Enderle und um 15:25 Uhr war das gesamte Feld in der Luft, bereit Aufgaben von 177 bis maximal 252 km zu fliegen. Die Pfälzerin Sandra Malzacher erflog sich mit ihrer Ls1f, im Funk liebevoll PapaMama, genannt die rote Siegerrose der Clubklasse. Die junge Mutter bewies starke Nerven und die perfekte Verbindung zwischen Mutterrolle und Hingabe zur Leidenschaft Segelfliegen. P8015222.jpg
Das Unwort des Wettbewerbs „Gewittertendenz“ war auch wieder am Mittwoch zu hören. Drei Area Aufgaben mit jeweils Mindestzeiten von zweieinhalb Stunden waren das Ergebnis der morgendlichen Besprechung. Gemeistert wurden die Strecken souverän, so dass um 17:52 die Wertung schon wieder online war. Das Gewitter kam dann wie bestellt gegen 21:00 Uhr und hielt die Rückholteams von ihrem Spülgang im Clubheim fest, so dass es ein sehr gemütlicher und langer Abend in fröhlicher Runde wurde. Die letzte Möglichkeit für einen Wertungstag war Donnerstag der 31. Juli und wieder gab es für das Aufgabenteam einiges Kopfzerbrechen. Erstmal wurde das Briefing verschoben und danach die Startbereitschaft für die Rennklasse auf 13:45 Uhr gelegt. Für die Clubklasse wurde es nach 15:oo Uhr und in Platznähe konnte man den Flugzeugen beim kreisen zusehen. Nachdem die Standardklasse neutralisiert wurde, war es spannend ob es in der Clubklasse zu einer Wertung kommt. Um 18:47 Uhr fehlte nur noch ein Flugzeug die 1M und für eine gültige Wertung noch ein Flug über 100km der an diesem Tag nicht mehr erreicht wurde. Damit standen die Deutschen Meisterinnen fest. Herzlichen Glückwunsch an Christine Grote mit ihrer Standardlibelle. Obwohl Cornelia Schaich montags noch mit einem Blick auf die Landeplätze ihrer Mitkonkurrentinnen meinte: „Das wird heute etwas teurer für mich!“, siegte sie am Ende souverän in der Standardklasse. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft nächstes Jahr in Ungarn steht auch für die 15mKlasse Siegerin Anja Kohlrausch fest. Die Nationalmannschaft war nach diesen acht Wertungstagen ebenfalls klar und wurde teilweise neu besetzt. Bei der Siegerehrung am Freitagmorgen wurden die Mädels dann mit Sekt und „Worscht, Weck und Woi“ aufgewogen.
Insgesamt gab es von den Teilnehmerinnen und ihren Mannschaften ein sehr positives Feedback für die Wettbewerbsleitung und auch umgekehrt.
„Vieles hat zusammengepasst“, so Reimar Möller, verantwortlich für die Auswertung und die Flugsicherheit. „Das Wetter, die Zusammensetzung der Teilnehmerinnen und Mannschaften, die Motivation und der Leistungswille, aber auch die Gelassenheit der Pilotinnen waren ausschlaggebend für den Erfolg. Auch die gewohnt routinierte Sport- und Wettbewerbsleitung, der Einsatz der Schlepper war wichtig, ebenso das Bemühen der ungenannten Helfer am Rande des Geschehens und hinter den Kulissen ohne deren unauffälliges Wirken vieles nicht so reibungslos gelaufen wäre.“

Fazit: Insgesamt ein toller Wettbewerb!
Aufgaben und Wertungen sind einzeln aufgeführt unter www.dsmf2008.de nachzulesen.