Segelflugpiloten springen mit Fallschirm ab!

Letztes Wochenende trafen sich Segelflieger und Fallschirmspringer im Clubheim des Fallschirmsprungclub Neustadt. Ziel war es die interessierten Segelflugpiloten in einem Schnellkurs eine Fallschirmsprung-Ausbildung zu verpassen.
Geboren wurde diese Idee letzten Herbst beim gemeinsamen Grillen auf dem Flugplatz-Lilienthal in Lachen-Speyerdorf. Thomas Dietrich, 1. Vorsitzender des FSC Neustadt, hatte das Interesse einiger jugendlicher Segelflugpiloten am Fallschirmspringen bemerkt und so die Idee des Sprungkurses für Piloten in die Tat umgesetzt.
Tatsächlich gibt es nur wenige Luftsportler, die beide Sportarten ausüben: Segelfliegen und Fallschirmspringen. Aber dennoch zieht jeder Segelflieger einen Fallschirm auf den Rücken bevor er ins Cockpit steigt. Es handelt sich dabei um einen Rettungsschirm für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass das Segelflugzeug einmal nicht mehr steuerbar sein sollte und der Absprung aus dem Cockpit die Rettung sein könnte.
Das Anlegen des Rettungsschirm und die Handgriffe für den Notausstieg werden hunderte Male in der Flugausbildung geübt, theoretische Kenntnisse über den Fallschirm und die Landung damit sind ebenfalls Bestandteil des Unterrichts. Nur der tatsächliche Absprung aus einem intakten Segelflugzeug ist schwer darstellbar.

Theorieunterricht

Deshalb die Zusammenarbeit mit den Fallschirmsportlern. Auch ein paar alte Hasen (Fluglehrer :-)) waren auch mit dabei, als am Freitagmorgen erst einmalTheorie gebüffelt wurde. Fallschirmsprunglehrer Axel Bläske präsentierte eine lange Themenliste, von der Fallschirmtechnik, der Aerodynamik des Fallschirms, der Schirmfahrt bis zur Landung sowie dem Verhalten in besonderen Fällen (z.B. bei einer Fallschirmstörung). Die Sprung-Aspiranten bemerkten schnell, dass man sich mit dem Sportgerät Fallschirm ja im gleichen Medium Luft bewegt wie mit dem ihnen bekannten Segelflugzeug.

Da gab es kaum Verständnisprobleme. Zumal die modernen Flächenfallschirme ja durch ihr Kammersystem eine Art Flügel aufbauen und so gut lenkbar sind und über deutlich bessere Gleiteigenschaften verfügen als die sogenannte Rundkappe, die beim Rettungsfallschirm benutzt wird.
Mit Videos und Kartenmaterial sollten sich die Sprung-Schüler zunächst an die ungewohnte Optik gewöhnen: im Segelflugzeug zielt man auf einen Landepunkt weit vor dem Cockpit. Mit dem Fallschirm liegt der Zielpunkt für die Landung nun zwischen den Füßen!

Nachdem der theoretische Ablauf des Sportfallschirmabsprunges aus einem Motorflugzeug bei allen Teilnehmern keine Fragen mehr aufwarf, konnte am Freitagnachmittag mit der praktischen Ausbildung begonnen werden: jede Phase des Fallschirmsprungs wurde intensiv geübt. Von Absprungübungen aus dem Flugzeugmodell am Boden, über die Öffnungskontrolle des Fallschirms bis zur Einteilung des Landeanflugs und dem richtigen Landefall.

Fallschirmpacken im Keller

Für die Segelflugpiloten sollte es am Samstag dann einen Sprung aus 1500 m Höhe geben. Nicht aber ohne vorher das Gelernte vom Freitag noch einmal zu repetieren. Der Schüler-Sprungfallschirm ist mit einer Zwangsauslösung ausgestattet, d.h. eine Reißleine ist fest am Flugzeug befestigt und öffnet nach dem Absprung den Fallschirm automatisch. Nach kurzem Freifall beginnt dann für den Fallschirmspringer die wichtige Aufgabe, sein Sportgerät auf die richtige Funktion zu überprüfen. Sprunglehrer Axel Bläske bläute es seinen Piloten ein: „ihr müsst entscheiden, ob ihr mit diesem Fallschirm landen wollt, oder ob ihr den Hauptschirm kappt und damit den Reservefallschirm auslöst!“
Ist alles ok mit dem Fallschirm, dann folgt bis 500m Höhe die Zeit für den Genuss der Fallschirmfahrt. Für die Segelflugpiloten etwas ungewohnt erwies sich die Tatsache, dass man die Vorbereitungen für die Landung direkt über dem Flugplatz macht. Das funktioniert im Segelflugzeug doch etwas anders.

Gurtzeugkontrolle vor dem Start

Jüngste Teilnehmerin mit 15 Jahren war Letisha R. aus Neustadt. Sie ist Flugschülerin beim FSV Neustadt und hat bereits 36 Flüge absolviert. Befragt nach ihren Gefühlen beim Fallschirmsprung sagte sie: „Angst hatte ich aufgrund der guten Vorbereitung keine, allerdings hat man auf 1500m Höhe, bei offener Tür, dennoch großen Respekt.
Auf der einen Seite bildet man sich weiter und bereitet sich auf den Ernstfall vor; auf der anderen Seite ist das Gefühl im Freifall unbeschreiblich friedlich. Das hatte ich vorher gar nicht erwartet. Gesprungen sind wir alle und ich würde es jederzeit nochmal machen. Gerne auch aus größerer Höhe.“

Zum Abschluß gab es für die Teilnehmer vom FSC Neustadt noch eine Urkunde über den erfolgreichen Erstsprung. Eine gelungene Veranstaltung über die Grenzen der Luftsportarten hinweg. In wenigen Tagen beginnt die Segelflugsaison für die Neustadter Segelflieger mit einer Aktivenversammlung. Die Fallschirmsprung-Novicen werden einiges zu berichten haben.

Gruppenfoto mit Urkunde und Kaltgetränk